Die Geschichte der Neustadter Ferienverbindung Neapolitania
Die Anfänge
Die Geburtsstunde der Neapolitania schlug am Sonntag, den 30. August 1896 in der alten Neustadter Gastwirtschaft „Bergschlößchen“ in der Sonneberger Straße. Die neun Herren Albert Greiner, Otto Wittmann, Hermann Gräf, Albert Arnold, Emil Herold, Walter Köhler, Louis Oberender, Gustav Ehrlicher und Hermann Arnold gründeten unseren Bund als Ferienverbindung, da es vor allen Dingen Studenten und Schüler waren, die während des Semesters in anderen Orten studierten oder aber sich an einem Sonneberger oder Coburger Gymnasium auf das Abitur vorbereiteten. Ihre Stadt, Neustadt, mit der sie sich innig verbunden wußten, stand daher auch Pate, als es galt, den eigenen Zusammenschluß mit einem Namen zu versehen. Die „neue Stadt“ hieß auf griechisch „nea polis“, die „Neustadter“ wurden zu „Neapolitaniern“. Als Bundesfarben wurden Weiß, Grün und Gold auserkoren, die Mützenfarbe war zunächst Weiß, zu einem nicht mehr exakt festlegbaren Zeitpunkt zwischen den Jahren 1906 und 1910 erfolgte dann, wahrscheinlich aus praktischen Überlegungen, der Wechsel zu Grün. Der Wahlspruch, der einige Jahre später von dem in Jena Medizin studierenden Bbr. Arno Hofmann v. Nuck vorgeschlagen und angenommen wurde, lautet „Dem Bunde treu und treu dem Vaterland!“ Hofmann, der nach seiner Neustadter Zeit bei der Jenenser Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller aktiv geworden war, hatte dazu einen langen Brief geschrieben und darin auch sonstige gute Ratschläge zur Ausgestaltung des Bundeslebens nach korporationsstudentischem Vorbild gebracht. Die grundsätzliche Übereinkunft, die Neapolitania nach dem Muster eben dieser studentischen Korporationen aufzubauen, d. h. Farben zu wählen und diese unter anderem in Band und Mütze zu tragen, Convente, Kommerse und Kneipen abzuhalten, die von gewählten Präsides geleitet werden usw., bestand ja bereits von Anfang an. Ebenso war man sich schon bei Gründung oder zumindest bald danach darüber einig, die Rekrutierung der Bundesbrüder auch aus Schülern vorzunehmen und von vornherein alle als gleichberechtigt anzusehen, die in Verbindung mit der Mittleren Reife, dem damals sogenannten Einjährigen, die Fuxenzeit mit Erfolg abgeschlossen hatten, auch wenn sie später keinen akademischen Beruf anstrebten.
In den ersten Jahren ihres Bestehens erfuhr die Neapolitania ein beständiges Wachstum, obwohl zu diesem Zeitpunkt unter anderem durch die Schülerverbindung „Borussia“ ernstzunehmende Konkurrenz vorhanden war. Zu Ostern 1914, also kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, treten die Herren Christian Faber und Albert Sembach ein, welche im Mitgliederverzeichnis die Nummern 65 und 66 erhalten. Korrigiert um die bis dahin erfolgten Austritte, Ausschlüsse und die bereits gefallenen Bundesbrüder, bestand die Neapolitania zu Beginn des Jahres 1915 aus etwa 50 Männern, was für einen so jungen Bund eine stattliche Anzahl darstellte.
Neustadt selbst besaß ja zur damaligen Zeit keine weiterführende Schule. Dies hatte zur Folge, daß diejenigen Neapolitanier, für die das „Einjährige“ noch nicht den Abschluß ihrer schulischen Laufbahn sein sollte, in Sonneberg oder Coburg weiterunterrichtet wurden. Hier konnten selbstverständlich auch Kontakte zu den dort ansässigen Verbindungen geknüpft werden. Von Bundesbrüdern an die eigene Corona gerichtete Couleurkarten der „F.C. Verbindung Solmontia Sonneberg“ zeugen ebenso davon wie eine Grußadresse der „Akademischen Ferienverbindung Solmontia“ an die „Akademische Ferienverbindung Neapolitania“ von deren Exbummel aus dem Jahre 1913 oder von Ehrenmitglied Förster anläßlich der Vereinigungsfeier der „Frankonia-Solmontia Sonneberg“ vom 29. Dezember 1927. Des weiteren können auch Doppelmitgliedschaften festgestellt werden: Gründungsbursche Albert Greiner z. B. war bereits seit dem 9. November 1895, also noch vor Entstehung der Neapolitania, Bundesbruder der Schülerverbindung Casimiriana zu Coburg, Otto Wittmann, ebenfalls Mitbegründer, wurde dort am 22. April 1898 aktiv. Sie sind im dortigen Mitgliederverzeichnis unter den Nummern 177 und 197 zu finden.